Was ein Spiel für Großeltern und Enkel zusammen geeignet macht
In der Familie gibt es nicht nur Altersunterschiede. Da ist die eine, die schnell liest, und der andere, der erst die Lesebrille sucht; die eine kennt alle Sprichwörter auswendig, der andere alle Tanzvideos aus dem Internet; der eine will um jeden Preis gewinnen, die andere einfach nur am Tisch sitzen bleiben. Gut funktionieren die Spiele, bei denen sich diese Unterschiede ausgleichen, statt sich zu verstärken.
- Eine Prise Glück. Beim Drehen des Rads in Wörterrad kann ausgerechnet, wer hinten liegt, das richtige Feld erwischen, und ein Bankrott trifft womöglich gerade den Familienchampion. Das Glück mischt die Karten neu und hält alle bis zum Schluss im Spiel.
- Fähigkeiten, die niemand wirklich hat. Bei Kritzelraten mit einem einzigen Handy wird auf Papier gezeichnet, und schlechtes Zeichnen gehört dazu: Opa und Enkelin starten gleichauf, und die falschen Deutungen bringen mehr Lacher als die richtigen.
- Alle sind dabei, auch außerhalb des eigenen Zugs. Bei Spielen, in denen jeder die Antwort rufen darf, wie Pantomime oder Kritzelraten, schaut niemand nur zu. Bei Spielen, in denen immer nur eine Person dran ist, müssen die Züge kurz sein.
- Keine Wettrennen auf der Tastatur. Meidet Spiele, bei denen gewinnt, wer am schnellsten auf dem Bildschirm tippt oder liest: Sie benachteiligen alle, die mit dem Handy wenig Übung haben, in jedem Alter.
Beim Sonntagsessen: Spiele, bei denen man sitzen bleibt
Zwischen Braten und Nachtisch hat niemand Lust aufzustehen. Gefragt sind Spiele, die man mündlich, mit der Gabel in der Hand, spielen und jederzeit unterbrechen kann, wenn Kaffee und Kuchen kommen.
Was würdest du eher?, laut vorgelesen
Bei Was würdest du eher? bietet jede Frage zwei Möglichkeiten. Mit einem einzigen Handy übernimmt eine Person das Vorlesen, alle antworten per Handzeichen, und die Vorleserin trägt die Wahl der Mehrheit ein. Das Beste kommt danach: Fragt Opa, warum er sich so entschieden hat, und macht euch auf eine Geschichte aus den Sechzigern gefasst. Hat jede Person ihr eigenes Handy, bleiben die Antworten in einem Raum geheim, bis das Ergebnis mit Prozentzahlen und Avataren auf beiden Seiten erscheint.
Wer würde eher?, in der freundlichen Variante
Bei Wer würde eher? erscheint eine Frage, auf drei zeigen alle auf eine Person am Tisch, und wer die meisten Stimmen bekommt, erhält einen scherzhaften Titel. In der Familie funktioniert das, weil man sich gut kennt, aber genau deshalb braucht es Feingefühl: Wird dieselbe Person dreimal hintereinander gewählt, wechselt das Spiel, bevor aus Spaß Spott wird.
Wahr oder falsch, Familienedition
Ein Spiel, das nichts braucht: Oma Gisela erzählt drei Geschichten aus ihrer Jugend, zwei wahre und eine erfundene, und die Enkel müssen die falsche entlarven. Dann wird getauscht: Die Kinder erzählen drei Dinge, die in der Schule passiert sind. Dabei kommen Anekdoten ans Licht, die noch niemand gehört hat, und manchmal ist die erfundene die glaubwürdigste.
Weihnachten und Feiertage mit vielen Verwandten: ein Ablauf, der hält
An den Feiertagen wächst die Runde schnell auf zehn oder fünfzehn Personen an, und die Aufmerksamkeit kommt und geht in Wellen. Statt eines einzigen Spiels braucht ihr einen kleinen Ablauf, in dem sich ruhige und laute Phasen abwechseln.
- Der Auftakt, am Tisch. Wörterrad erlaubt 2 bis 10 Mitspielende: Seid ihr mehr, bildet Teams und tragt sie jeweils unter einem Namen ein, mit einer Sprecherin oder einem Sprecher, der das Rad dreht und die Buchstaben wählt. Rad, Vokale zum Kaufen und ein Satz zum Lösen erinnern an die Glücksrad-Shows aus dem Fernsehen, deshalb verstehen auch die Großeltern die Regeln nach der ersten Runde.
- Die Bewegungsrunde. Pantomime in Teams, mit einem einzigen Handy: Wählt zwei, drei oder vier Teams und tippt jede Person an, um festzulegen, wo sie spielt. Setzt in jedes Team ein Großelternteil und ein Kind: So mischen sich die Generationen, und das übliche Duell „die großen Cousins gegen den Rest“ bleibt aus.
- Der Ausklang, auf dem Sofa. Ein mündliches Spiel, das keine Konzentration verlangt, etwa Stille Post oder das Sprichwortraten weiter unten, während abgeräumt wird und den Kleinsten die Augen zufallen.
Die Skatrunde mit Opa und das neue Brettspiel unterm Baum bleiben, wo sie sind: Die Spiele aus der App gesellen sich dazu, sie ersetzen sie nicht. Ist die Runde wirklich groß, hat der Ratgeber Spiele für große Gruppen gezieltere Ideen, und der Ratgeber Spieleabend organisieren hilft bei der Vorbereitung.
Rollen für alle, die nicht ans Handy wollen
Nicht alle mögen einen Bildschirm anfassen: Da ist die Oma, die dem Ding nicht traut, der Onkel, der sagt: „Ich schau nur zu.“ Die gute Nachricht: Wenn ihr mit einem einzigen Handy spielt, dient das Gerät nur als Kartenstapel und Schiedsrichter. Es hält immer nur eine Person, niemand muss etwas auf dem eigenen Gerät installieren, und ein Konto braucht es auch nicht. Wer lieber die Hände frei hat, bekommt trotzdem eine echte Rolle.
- Der Vorleser. Liest die Fragen von Was würdest du eher? oder Wer würde eher? laut vor und entscheidet, wann die nächste kommt. Die perfekte Rolle für alle mit schöner Stimme und wenig Geduld für Apps.
- Die Schiedsrichterin. Bei Stadt, Land, Fluss mit einem einzigen Handy werden die Antworten mündlich verglichen, Kategorie für Kategorie. Irgendwer muss entscheiden, ob „Pumuckl“ als Name durchgeht und ob „Wanne-Eickel“ wirklich eine Stadt ist: Gebt das an jemanden, der nicht mitspielt, und ihr Wort ist Gesetz.
- Der Punkteschreiber mit Block und Stift. Spielt ihr ein Turnier über mehrere Spiele oder habt ihr Hausboni vereinbart, braucht es jemanden, der die Gesamtwertung auf einem Zettel führt. Wer die Liste führt, hat praktisch das Sagen.
- Das Wort ansagen statt tippen. Bei Wortblume gibt es einen Modus, in dem reihum jemand das Wort aussucht, das die anderen erraten sollen. Wer Tastaturen nicht mag, flüstert es einem Helfer zu, der es eintippt, und setzt in diesem Zug selbst aus.
- Pantomime ohne Bildschirm. Bei Pantomime muss die darstellende Person das Wort sehen, aber nicht selbst das Handy halten: Ein Nachbar zeigt es kurz und legt es dann wieder auf den Tisch.
Die Hausregeln, festgelegt vor dem ersten Zug
Die meisten Familienstreits entstehen nicht durch das Spiel, sondern durch Regeln, die sich mitten in der Partie ausgerechnet der ausdenkt, der gerade verliert. Fünf Minuten Absprache am Anfang retten den Abend.
- Was als Antwort zählt. Dialektwörter, Marken, Spitznamen, Zeichentrickfiguren: Klärt vorher, ob sie erlaubt sind, nicht erst, wenn jemand sie gerade braucht.
- Angesagte Hilfen. Wer klein ist oder nicht gut liest, bekommt eine Hilfe pro Zug oder ein paar Sekunden mehr. Wenn das vorher besprochen ist, empfindet es niemand als Bevorzugung.
- Ein Handy auf dem Tisch, die anderen in der Tasche. Das Spielhandy ist ein Werkzeug; die privaten Handys lenken am Tisch nur ab. Wollen die Kinder jedes auf dem eigenen Gerät spielen, denkt daran, dass bei PartyGames das Online-Spiel unter 13 Jahren deaktiviert ist und nur ein Elternteil es mit einer PIN freischalten kann: Das entscheiden Mama oder Papa, nicht der älteste Cousin.
- Keine Fragen, die bloßstellen. Das gilt für Wer würde eher?, für Wahr oder falsch und für jedes Spiel, in dem es um die Anwesenden geht. Wer gemeint ist, muss genauso lachen können wie alle anderen.
- Wann Schluss ist. Eine Uhrzeit oder eine Zahl von Partien, vorher festgelegt. Mit Kindern, die ins Bett müssen, erspart das die endlose Verhandlung über die allerletzte Runde.
Und eine Regel steht über allen: Nur eine Person erklärt. Kommen die Erklärungen von drei Verwandten gleichzeitig, steigen die Großeltern beim zweiten Satz aus. Praktische Tipps dazu stehen im Ratgeber Spielregeln gut erklären.
Drei Familienklassiker, die nichts brauchen
Stille Post
Alle kennen es, und genau das ist seine Stärke. Der Trick, damit es lustig wird, ist der Startsatz: Er sollte einen Namen, eine Zahl und ein seltsames Detail enthalten, etwa „Tante Karin hat am Dienstag auf dem Wochenmarkt sieben gelbe Melonen gekauft“. Setzt die Kleinsten ans Ende der Reihe: Zu hören, was aus dem Satz geworden ist, ist ihr großer Moment.
Sprichwortraten
Ein Großelternteil sagt die erste Hälfte eines Sprichworts, die Enkel müssen es vervollständigen: „Wer zuerst kommt …“, „Morgenstund hat …“. Wissen sie es nicht, erfinden sie ein Ende, und das lustigste gewinnt die Runde. Dann werden die Rollen getauscht: Die Jugendlichen sagen einen Ausdruck, den sie unter Freunden benutzen, und die Großeltern müssen erraten, was er bedeutet. Eines der seltenen Spiele, bei denen jede Generation Expertin für etwas ist.
Die Geschichte, Satz für Satz
Reihum wird eine Geschichte erzählt, ein Satz pro Person, aber wer dran ist, muss ein Wort einbauen, das der Vorgänger ausgesucht hat: „Drache“, „Linienbus“, „Frikadellen“. Die Geschichte endet, wenn jemand erschöpft sagt: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Weitere Ideen speziell für die Kleinsten gibt es im Ratgeber Wortspiele für Kinder.