Was ein Spiel tischtauglich macht
Ein Spiel fürs Abendessen muss mit klaren Einschränkungen leben. Die Hände sind oft beschäftigt, Teller kommen und gehen, und wer kocht, steht ständig auf. Bevor ihr etwas vorschlagt, prüft, ob es diese Bedingungen erfüllt:
- Man spielt im Sitzen und mit der Stimme, ohne aufzustehen und ohne freie Fläche.
- Man kann unterbrechen, wenn der nächste Gang kommt, und danach weitermachen, ohne alles neu zu erklären.
- Es braucht wenig Material: höchstens ein Handy, ein paar Zettel und einen Stift.
- Es befeuert das Gespräch, statt es zu ersetzen. Das beste Spiel beim Essen ist eines, über dessen Runde danach noch zehn Minuten geredet wird.
Deshalb funktionieren Frage-, Deduktions- und Wortspiele besser als Bewegungsspiele oder solche, bei denen ständig eine Uhr läuft. Ist das Essen dagegen nur der Auftakt zu einem Abend, der ganz dem Spielen gehört, sieht der Ablauf anders aus: Mehr dazu im Ratgeber Spieleabend organisieren.
Beim Aperitif und zur Vorspeise: das Eis brechen
In den ersten zwanzig Minuten soll jede Person mindestens einmal zu Wort kommen, ohne dass jemand in Verlegenheit gerät. Fragen mit zwei Antwortmöglichkeiten sind dafür ideal: Die Hürde ist niedrig, und jede Antwort bringt ein Gespräch in Gang.
Bei Was würdest du eher? im Online-Raum wählt jede Person heimlich auf dem eigenen Handy, danach erscheinen Prozentzahlen und Avatare auf beiden Seiten. Niemand muss sich als Erstes festlegen, und die Diskussion entsteht von selbst, wenn der Tisch sechs zu eins steht. Wenn die Handys lieber in der Tasche bleiben sollen, geht es auch mündlich: Eine Person denkt sich eine Frage aus („Würdest du lieber immer um sechs Uhr zu Abend essen oder immer um Mitternacht?“), und die anderen heben die Hand.
Zwei Wahrheiten, eine Lüge
Ein Klassiker ohne jedes Material. Reihum erzählt jede Person drei Dinge über sich, eines davon erfunden, und der Tisch stimmt ab, welches die Lüge ist. Perfekt, wenn jemand Neues am Tisch sitzt: Sarah, die nur die Gastgeberin kennt, erzählt, dass sie ein Jahr in Island gelebt hat, Akkordeon spielt und noch nie am Meer war. Drei Minuten später wissen alle etwas über sie und haben einen guten Vorwand, ihr weitere Fragen zu stellen.
Zwischen den Gängen: Spiele für ein paar Minuten
Die Wartezeit zwischen Vorspeise und Hauptgang ist der Moment, in dem das Gespräch einschlafen oder in drei getrennte Unterhaltungen zerfallen kann. Jetzt braucht ihr kurze Spiele, die nach einer Runde abgeschlossen sind.
Der Spion, im Sitzen und mit gedämpfter Stimme
Der Spion ist wie gemacht für den Esstisch. Alle kennen ein geheimes Wort, nur der Spion sieht bloß die Kategorie. Dann stellt man sich reihum direkte Fragen: Eine Person fragt, die andere antwortet und fragt dann selbst weiter. Niemand steht auf, niemand wird laut, und die Dauer der Diskussion wählt ihr zwischen 3, 5 und 8 Minuten, kurz genug für die Pause zwischen zwei Gängen. Lautet das Wort „Biergarten“ und fragt Max ausgerechnet den Spion: „Würdest du mit Kindern hingehen?“, muss der glaubwürdig antworten, ohne zu wissen, worum es geht.
Wortkette
Ganz ohne Handy: Die erste Person sagt ein Wort, die Nachbarin ein dazu passendes, und so geht es reihum. Wer zu lange zögert oder ein Wort wiederholt, ist raus aus der Runde. „Ofen, Brot, Butter, Plätzchen, Weihnachten, Schnee, Ski …“: Nach ein paar Runden verraten die Assoziationen eine Menge über die Leute am Tisch und liefern oft gleich das nächste Gesprächsthema.
20 Fragen
Eine Person denkt an eine Figur, die anderen haben zwanzig Ja-Nein-Fragen, um sie zu erraten. Wenn ihr die Variante mit Handy wollt, dreht Wer bin ich? das Prinzip um: Wer den Bildschirm an die Stirn hält, sieht das Wort nicht und stellt den anderen Fragen, die nur mit Ja, Nein oder Vielleicht antworten dürfen.
Nach dem Nachtisch: das Spiel, das alle am Tisch hält
Mit dem Kaffee beginnt die schönste Phase des Abends: Niemand hat es eilig, der Tisch ist abgeräumt, und es ist Platz für ein etwas längeres Spiel.
- Stadt, Land, Fluss ist der Klassiker für den abgeräumten Tisch: Papier und Stift für alle, die App zieht den Buchstaben und verwaltet die Kategorien, und sobald jemand meldet, dass er fertig ist, startet für alle der Countdown. Die Diskussionen über die Antworten („Malaga ist doch eine Eissorte, keine Stadt!“) gehören zum Spaß dazu.
- Wer würde eher? spielt am Ende des Essens, wenn alle entspannt sind, seine Stärken aus: Mit einem einzigen Handy wird die Frage vorgelesen, auf drei zeigen alle auf jemanden, und wer die meisten Stimmen bekommt, nimmt einen scherzhaften Titel mit nach Hause. Eine Frage wie „Wer würde sich sogar mit Navi verfahren?“ reicht für eine halbe Stunde Anekdoten.
- Seid ihr zu sechst, teilt Eingespieltes Trio den Tisch in zwei Dreierteams: Zwei Teammitglieder bauen den Hinweis abwechselnd Wort für Wort auf, das dritte versucht zu raten. Man spielt im Sitzen, und wie gut sich Tischnachbarn verstehen, wird zum Thema des Abends.
Wenn sich am Tisch nicht alle kennen
Abendessen, bei denen verschiedene Welten aufeinandertreffen – Kollegen des Partners, Freunde von Freunden, Nachbarn –, sind die heikelsten und oft die gelungensten. Ein paar Kleinigkeiten machen den Unterschied:
- Meidet Spiele, die alte Bekanntschaften belohnen. Wer würde eher? kann unter Leuten, die sich gerade erst kennengelernt haben, schnell zur Klischeeübung werden. Verschiebt es auf später, wenn der Tisch vertrauter ist, oder wählt Fragen zu Vorlieben und Gewohnheiten statt zur Vergangenheit.
- Mischt die Paare. Bei Spielen zu zweit oder zu dritt setzt ihr Leute zusammen, die sich nicht kennen: Gemeinsam an einem Hinweis zu tüfteln, verbindet mehr als eine halbe Stunde Small Talk.
- Keine Insider. Wenn ein Hinweis nur für die Leute funktioniert, die beim Ostseeurlaub dabei waren, fühlen sich alle anderen wie Publikum.
- Lasst ein Hintertürchen offen. Wer nicht mitspielen will, kann Schiedsrichter sein, die Zeit nehmen oder die Fragen vorlesen: So bleibt man im Gespräch, ohne sich vorführen zu müssen.
Ein guter Gradmesser ist, wer während der Spiele mit wem redet. Wenn Lukas, der mit seiner Cousine gekommen ist, nach der zweiten Runde gutmütig jemanden aufzieht, den er vorher nicht kannte, hat das Spiel seinen Zweck erfüllt, und ihr dürft es ruhig ausklingen lassen.
Kleiner Knigge fürs Spielen am Esstisch
- Wer kocht, moderiert nicht. Steht die Gastgeberin alle zwei Minuten auf, übernimmt jemand anderes die Aufgabe, Spiele vorzuschlagen und zu erklären.
- Das Essen hat Vorrang. Kommt der Braten, wird pausiert: Kein Spiel ist einen kalten Teller wert.
- Das Handy weit weg von der Soße. Wenn ihr nur eines benutzt, legt es dorthin, wo es nicht im Glas landen kann, und reicht es mit sauberen Händen weiter.
- Kneipenlautstärke, nicht Stadion. Esst ihr im Restaurant oder habt ihr empfindliche Nachbarn, nehmt lieber Spiele zum Kombinieren als solche, bei denen die Antwort gebrüllt wird.
- Hört eine Runde zu früh auf. Der richtige Moment zum Schluss ist, wenn jemand sagt „Ach komm, noch eine“: Hebt euch die Lust fürs nächste Essen auf.
Sind Kinder unter den Gästen, braucht ihr einfachere Wortspiele und kurze Runden: Anregungen findet ihr im Ratgeber Wortspiele für Kinder. Und wenn ihr nur zu zweit esst, werft einen Blick auf Spiele zu zweit.